RUHESTAND: Gut starten in die neue Freiheit

von Dr. Anke Melchior,

Hadern Sie nicht, lassen Sie los

Der Abschied vom Job ist eine große Wende im Leben. Doch mit der richtigen Vorbereitung ist er gut zu bewältigen. Und um neue Dinge auszuprobieren, ist er die beste Lebensphase. Gute Vorbereitung lohnt. Überzeugen Sie sich selbst!

Wir alle kennen das: Eine plötzliche, nicht erwartete Veränderung verstört und verunsichert uns zutiefst. So ist es auch beim Eintritt in den Ruhestand. Egal, ob Sie ihn seit Jahren herbeisehnen oder das große Langeweile-Loch befürchten: In der Zeit des Übergangs, zwischen dem nicht mehr tragenden Alten und dem noch nicht tragenden Neuen, begegnen wir uns selbst mit all unseren Ängsten, Zweifeln, Unsicherheiten, Widersprüchen, Wünschen und Hoffnungen. Das ist menschlich und psychologisch erklärbar.

In der Regel besteht ein solcher Übergangsprozess aus drei Phasen:

  • In der Loslösungsphase passt das Alte nicht mehr, das Neue wird erst geahnt.
  • In der Zwischen- und Übergangsphase wird Neues ausprobiert und gelernt.
  • In der Ankunfts- und Wiedereingliederungsphase nimmt das Neue Konturen an, werden eine neue Identität, neue Lebensoptionen möglich.

„Gemischte Gefühle“ gehören dazu. Denn die Endlichkeit des Lebens lässt sich nicht länger verdrängen. Hadern Sie nicht, halten Sie aus und lassen Sie los!

Verabschieden Sie sich mit gutem Gefühl

Ein gelungener Abschied vom Arbeitsplatz und den Kollegen erleichtert den Wechsel in den Ruhestand und stärkt das Loslassen. Durch Wertschätzung und Dank erhalten wir die Möglichkeit, uns mit der neuen Lebenssituation zu verbinden und sie anzuerkennen. Wertschätzung und Dank sind wichtige Begleiter des Abschiednehmens. Wird der Abschied bewusst gestaltet und durchlebt, so formt sich das Neue umso leichter. Bewusst gestaltete Abschiedsrituale sind dabei hilfreich: Sie schließen eine Tür zum Vergangenen und Öffnen eine Tür zum Neuen.

Erforschen Sie Ihre Wünsche und Ziele

Eine wichtige Frage lautet: Was will ich eigentlich, wenn ich nicht mehr muss? Der Übergang in die nachberufliche Zeit ist eine gute Phase, um Neues auszuprobieren. Dinge, die man früher schon machen wollte, wofür aber die Möglichkeit und Zeit fehlte. Eine Antwort fällt nicht immer leicht. Hilfreich sind Übungen und Fragen, die einen künftigen Tag im Ruhestand ausmalen lassen: Welche Träume möchte ich Wirklichkeit werden lassen? Wie gestaltet sich mein perfekter Tag? Welche Aktivität macht mich zufrieden und glücklich? Wo finde ich Gleichgesinnte? Möglichkeiten gibt es viele: Vereine, Volkshochschule, Universität des dritten Lebensalters, Seniorenportale, Ehrenämter, Freiwilligenagenturen u.ä.

Pflegen und knüpfen Sie Kontakte

Freunde und Bekannte schützen vor Isolation, halten geistig rege und aktiv. Vielleicht haben Sie wichtige Menschen aus dem Auge verloren? Dann ist jetzt die Gelegenheit, wieder anzuknüpfen. Bestehende Kontakte können intensiviert werden. Und neue Freunde? Gehen Sie Ihren Interessen nach. Dabei finden Sie am Ehesten andere Menschen, mit denen Sie sich verstehen können. Interessante Begegnungen inspirieren uns dazu, Neues zu wagen.

Leben Sie Ihre Partnerschaft neu

Zur interessanten Frage, ob und wie sich durch den Eintritt in den Ruhestand das gemeinsame Leben in der Partnerschaft verändert, zeigt die Generali Altersstudie von 2013 interessante Ergebnisse: 59% genießen die Zeit, die sie nun miteinander verbringen können. 43% unternehmen viel mehr gemeinsam als früher. Für 22% hat das gemeinsame Leben seit dem Ruhestand praktisch noch einmal neu begonnen. Von einer deutlichen Verbesserung ihrer Beziehung, seit beide zuhause sind, sprechen sogar 16% der befragten Paare. Allerdings streiten sich auch 11% mehr. Fest steht: Zwei, die bislang in überwiegend verschiedenen Welten lebten, müssen erst wieder lernen, sich im Zusammensein neu einzuspielen. Dabei helfen drei wichtige Empfehlungen:

  • Vieles ist erlernbar!
  • Verständnisvolle Hilfestellung, ohne Bevormundung, ist erwünscht!
  • Humor und Geduld bringen schneller gute Früchte als Ärger und Aufregung!

Seien Sie aktiv, aber auch anpassungsfähig

Da hat man sich auf die vielen Dinge gefreut, die man im Ruhestand verwirklichen kann – und dann spielt die Gesundheit nicht mehr mit. Oder eine Krankheit hat Sie sogar vorzeitig in die Rente gezwungen. Das Ideal unserer Zeit, jung, gesund und fit sein zu wollen macht es schwieriger, die zunehmenden Einschränkungen zu akzeptieren. Hier hilft die Frage: Was ist das Gute am Schlechten? Dabei geht es nicht darum, Belastendes wegzuwischen, sondern ihm etwas Positives hinzuzufügen. Also: Was geht trotzdem noch? Kann man die Wünsche und Ziele in anderer Form umsetzen? Gibt es ganz alternative Ideen. Geben Sie dem ganzen einen neuen Rahmen!

Vereinbaren Sie Ihre persönliche „Denkpause“

Möchten Sie für sich unter fachkundiger Anleitung die persönliche Situation beleuchten? Mein Beratungsangebot DENKPAUSE im Lebensfluss passt für Menschen jeden Alters, die sich neu ausrichten möchten: aus eigenem Impuls, aufgrund besonderer Ereignisse oder in biografischen Übergängen – wie bspw. dem Übergang in die Nachberufliche Zeit. Als Systemische Beraterin und Trainerin für Biografiearbeit begleite ich Sie gerne ein Stück auf Ihrem Lebensweg. Vereinbaren Sie ein kostenfreies Vorgespräch zum Kennenlernen und als Entscheidungshilfe.

www.denkpause-im-lebensfluss.de

Checkliste

Acht Tipps für Ihren gelingenden Übergang in den Ruhestand

 

  • Machen Sie einen radikalen Schnitt. Es geht darum, Abschied zu nehmen von dem, was nicht mehr ist und sich nicht daran festzuklammern. Es gibt kein Zurück.
  • Das Alte trägt nicht mehr, das Neue hat noch keine Form angenommen. Je bereitwilliger Sie sich den krisenhaften Gefühlen stellen, desto offener werden Sie für das Neue. Lassen Sie ihre ambivalenten Gefühle zu und geben Sie sich Zeit!
  • Ruhe, Alleinsein und Stille sind ausgezeichnete Möglichkeiten, sich selbst zu finden und die neue Lebenssituation zu reflektieren. Immer dann, wenn wir einer Tätigkeit um ihrer selbst nachgehen, scheint die Zeit still zu stehen. Wir sind ganz bei uns selbst. Diese Selbstvergessenheit kann nur geschehen, wenn wir Zeit haben zum Hineinbummeln ins Leben. In der Ruhe liegt der Stand!
  • Entlarven sie Ihre Antreiber: Welche Glaubenssätze habe mich geprägt? Kann ich nur gut zu mir sein, wenn ich vorher etwas geleistet habe? Ohne Fleiß keinen Preis? Eine gute Beziehung zu sich aufbauen, sich Dinge auch einfach so zu gönnen, kann man üben. Gönnen Sie sich (Ruhe)Pausen, die nicht an eine Leistung gekoppelt sind. Erfreuen Sie sich an der Langsamkeit des Tages. Leben Sie in der Gegenwart. Darum geht es!
  • Ressourcen finden: Ein Werkzeug, sich mit den eigenen Ressourcen zu beschäftigen ist die Biografiearbeit - u.a. durch den Blick auf die eigene Vergangenheit. Wer sein Leben aus einer gewissen Distanz heraus betrachtet, der wird sehen, dass der Übertritt in den Ruhestand nur einer von bereits vielen erfolgten Übergängen ist. Rückbesinnung dient hier als Schlüssel. Erkennen Sie den roten Faden Ihres Lebens?
  • Finden Sie Aktivitäten, pflegen Sie soziale Kontakte. Möglichkeiten gibt es viele: Vereine, Volkshochschule, Universität des dritten Lebensalters, Seniorenportale, Ehrenämter, (christliche) Freiwilligenagenturen u.ä. Ein bewusst gepflegter Freundes- und Bekanntenkreis gehört auch dazu. Überlegen Sie: Was möchte ich wem anbieten? Ist mein Gefühl dazu gut?
  • Zeit und Selbstorganisation: Jetzt, da es keine Sachzwänge mehr von außen gibt, bestimmen wir selbst, wie wir unseren Tag organisieren. Auf eine solche neue Strukturierung Ihrer Zeit sollten Sie nicht verzichten. Zur Organisation des Tagesablaufs gehören übrigens auch bewusst gepflegte Alltags-Rituale!
  • Perspektiven entwickeln – neue Schritte gehen: Jetzt geht es darum, auszuprobieren, zu kombinieren und kreativ zu werden. Und das kann nur individuell geschehen. Was ist Ihr nächster, kleiner Schritt in diese Richtung?
Literaturempfehlungen

Ratgeber und Arbeitshilfen

Collier, Peter/Jany, Luitgard/Jany, Berthold: Hallo Ruhestand!, Herder Verlag, Freiburg 2017

Langmaack, Barbara: Ruhestand. Annehmen, Gestalten, Leben. Klett-Cotta , Stuttgart 2002 (antiquarisch erhältlich)

Müller, Wunibald: Loslassen und weiter gehen. Schritte in den Ruhestand, Patmos, Ostfildern 2017

Schiele, Wolfgang: Rastlos im Beruf, ratlos im Ruhestand? Wegweisende Impulse zur aktiven Gestaltung der dritten Lebensphase. Springer Verlag, Berlin 2018

Biografiearbeit

Hofmeister, Susanne Dr. med., Wo stehe ich und wo geht’s jetzt hin? Wie Sie den roten Faden im Leben finden, Gräfe und Unzer, München 2014

Lohmann, Robin: Was gestern war, hilft mir für morgen, Kösel Verlag, München 2013

Rituale

Galitz, Lore: Zeit für Rituale. Kraft für ein erfülltes Leben“, Irisana Verlag 2013

Küstenmacher, Werner Tiki: Eine handvoll Glück. 50 einfache Rituale, die das Leben erleichtern. Gräfe und Unzer Verlag München, 2013

Inspiration

Flow. Eine Zeitschrift ohne Eile, über kleines Glück und das einfache Leben, Verlag G+J Food & Living GmbH & Co. KG., Am Baumwall 11, Hamburg (erscheint 8 x p.a.)

Flow Sonderheft. 19 Tage voller Achtsamkeit, Verlag G + J Food & Living GmbH & Co. KG., m Baumwall 11, Hamburg

Kagge, Erling: Stille. Ein Wegweiser, Insel Verlag, Berlin 2017

Lemke, Bettina: Geschenke für die Seele. Wohlfühlmomente für jeden Tag, dtv, München 2016

Strauß, Julia: Der Wochenendverführer. 52 Ideen für die schönsten Tage der Woche, Insel Verlag, Berlin 2014

Lyrik

Hesse, Hermann: Mit der Reife wird man immer jünger, Insel Verlag, Berlin 2002

Paul, Clara (Hrsg.): Gedichte, die glücklich machen. Insel Verlag, Berlin 2014

Workshop-Tag im Herbst 2019

Einen Workshop-Tag für angehende Ruheständler mit dem Titel „Die Segel setzen: Den Übergang in den dritten Lebensabschnitt aktiv gestalten“ bietet der Evangelische Regionalverband Frankfurt und Offenbach im Rahmen seines Programms „“Raum für Lebensgestaltung“ im Oktober und November 2019 in unterschiedlichen Stadtteilen an.

PDF der Veranstaltung zum Downloaden...

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